Scientology verschwendete keine Zeit, um den „Dammbruch“ der Entscheidung des Internal Revenue Service (IRS) auszuschlachten – bis zu diesem Datum wurde Scientology sowohl von der US-Regierung als auch von deren Administration als das gesehen bzw. behandelt, was sie tatsächlich ist: Ein obskurer Psychokult, der versucht, als Religion verkleidet zu reüssieren. Wenn man nicht dagegen war, wollte man auf keinen Fall anstreifen oder mit Scientology in Verbindung gebracht werden.

Mit dem 1. Oktober 1993 wurde alles anders und Scientology hatte weitreichend „verhandelt“: Teil der Abmachung zwischen dem IRS und Scientology war z.B., dass dieser sämtliche relevanten Regierungen weltweit anschreiben würde, um diese über die Vereinbarung und dessen Ergebnis zu informieren – und eine Broschüre beizulegen, die Scientology gestaltete.

Derart erhielt z.B. Angela Merkel, damals noch Ministerin für Frauen und Jugend im Kabinett Kohl, am 25. August 1994 einen Brief des IRS. Beigelegt war die Broschüre Eine Beschreibung von Scientology

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Scientology schloss auch „Frieden“ mit der Interpol, was deren Generalsekretär veranlasste, seine Dienststellen darüber zu unterrichten – und diesmal gleich neben dem Agreement zwischen IRS und Scientology und der Broschüre Beschreibung von Scientology auch Was ist Scientology? mitzuschicken …

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Parallel dazu wurde die US-Regierung bearbeitet, wo Bill Clinton seit 20. Jänner 1993 im Amt war. Clinton ließ es sich z.B. dann auch 1996 nicht nehmen, in der Scientology-Zeitschrift Freedom zu schreiben …

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US-Präsident Bill Clinton im „Freedom“ von Scientology …

1997 traf sich Clintons Sicherheitsberater Sandy Berger mit John Travolta und anderen Scientologen, um mit ihnen die Haltung der deutschen Regierung gegenüber Scientology zu besprechen.

Wie das Magazin George berichtete, lobte Clinton auch das hubbardsche „Erziehungsmaterial“: „Ihr Programm hört sich großartig an. … Ich möchte Ihnen wirklich bei ihrem Problem in Deutschland helfen.“

Im selben Jahr schrieb das Magazin Knight Rider/Tribune, dass Clinton auf Bitten von Tom Cruise seine Außenministerin Madeleine Albright anwies, über die von Scientologen behauptete religiöse Verfolgung in Deutschland Gespräche mit dem damaligen Außenminister Kinkel aufzunehmen.

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US-Außenministerin Madeleine Albright …

1998 verabschiedete der US-Kongress eines Gesetz zur Religionsfreiheit und richtete ein dem US-Außenministerium angegliedertes Office of International Religious Freedom ein, in dem Robert A. Seiple eine tragende Rolle spielte. Das Office verfügt über einen Vertreter an jeder US-Botschaft.

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Robert Seiple …

1999 intervenierte das US-Außenministerium zugunsten von Scientology in Spanien, wo dem Scientology-Präsidenten Heber Jentzsch und 17 weiteren Führungskräften von Scientology der Prozess gemacht werden sollte. Der Staatsanwalt forderte für Jentzsch eine Haftstrafe von 30 Jahren. Jentzsch war 1988 zusammen mit weiteren 68 Scientologen vorübergehend inhaftiert worden. Erst nachdem Scientology eine Kaution von einer Million Dollar bezahlte, ging er wieder frei. In den Berichtkreislauf rund um die Intervention für Scientology war Sonderbotschafter Robert A. Seiple eingebunden.

Seit Ende der 90er-Jahre wird im jährlichen US-Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums jeder Staat, jede Person oder Institution, die sich kritisch zu Scientology äußert, gebrandmarkt und der religiösen Diskriminierung bezichtigt.

Im aktuellen Bericht (2015) lautet dies zu Deutschland: „Einige Regierungsbehörden lehnen den Zugang zu steuerlichen Erleichterungen für Scientology ab. Bundesstaatlichr Behörden stufen Scientology als verfassungfeindlich ein bzw. dass diese extremistische Ziele verfolgt. … Evangelische und Katholische Kirche lancieren sogenannte Sektenbeauftragte. … Unternehmen verwenden Sektenfilter, um derart herauszufinden, ob der potentielle Mitarbeiter Kontakt mit Scientology hat. … Scientology [hat in Deutschland] 5.000 bis 10.000 Mitglieder.“

Zu Österreich wird festgehalten, dass „eine Gesellschaft gegen Sekten- und Kultgefahren in der Öffentlichkeit und Schulen aktiv ist, Beratung anbietet und finanzielle Unterstützung von den Bundesländern Wien und Niederösterreich erhält“.

Die Schweiz wird nicht erwähnt.

Manfred Bleskin (N-TV) beschrieb dies am 18. November 2010 unter dem Titel Viel Dreck vor eigener Tür: „Die jährlichen Menschenrechtsberichte des US-Außenministeriums sind eine schlaue Erfindung: Weltweit werden regierungsoffiziell Noten an andere verteilt. Man selbst bleibt außen vor, weil das State Departement nicht für Inneres zuständig ist. Dabei hat sich gerade in den vergangenen Jahren so viel Dreck vor der eigenen Tür angehäuft, dass es wahrlich genug zu kehren gäbe.

Auch Deutschland kriegt sein Fett ab in dem Bericht, den Amtschefin Hillary Clinton höchstselbst in Washington vorstellte. … Wenn in dem Report auch die Diskriminierung der Scientology-Organisation moniert wird, wird’s skurril. Deren verfassungsfeindlichen Ziele sind im Jahresbericht der einschlägigen deutschen Behörde nachzulesen. Einem Verbündeten anzukreiden, dass er eine anti- und undemokratische Gruppierung unterm Deckel hält, ist höchst befremdlich. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass Scientology-Mitglieder Frau Clintons Senatorenwahlkampf mit Spenden bedachten [und] ein prominentes Mitglied der Sekte Spendendinner für die Demokratische Partei organisierte.

Das Außenministerium in Washington sollte sich den sendungsbewussten Bericht künftig sparen und sich im UN-Menschenrechtsrat für Menschenrechte einsetzten. Doch halt: ‚The land of the free‘ hatte ja gegen die Gründung des Gremiums gestimmt.“

WikiLeaks erwähnt insgesamt 19 Botschafts-Depeschen, die Scientology betreffen. Dabei ging es hauptsächlich um Gespräche mit OSA-Scientologen vor Ort oder den jeweiligen Landesbehörden – genannt werden die Länder Italien, Griechenland, Spanien, Russland und Deutschland.

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Hillary Clinton – Quelle: Salon …

Apropos Hillary Clinton: Ihr Name tauche in einem Daily Report eines „Außendienstmitarbeiters“ des Office of Special Affairs (OSA) auf, als „Frits“ diesen über die Beobachtung von Dave Touretzky verfasste. Der letztgenannte lehrt Informatik an der Carnegie Mellon University (CMU) und ist einer der schärfsten Kritiker von Scientology in den USA. Seiner Webseite The Secrets of Scientology wird von der CMU Gastrecht gewährt – womit wir beim Brief von Clinton wären: Die damalige US-Senatorin soll 2006 gegen den Scientology-Kritiker interveniert haben, als sie in einem Brief dessen Arbeitgeber empfahl, diesen umgehend zu feuern.Die CMU reagierte auf das Ansinnen Clinton’s gelassen, indem sie darauf verwies, dass es dessen Privatsache sei, was dieser in seiner Freizeit betrieb.

Hier der geleakte Daily Report von OSA – passt zwar nur bedingt in die aktuelle Geschichte, illustriert aber andererseits, was einen erwartet, wenn man sich gegen den Psychokult ausspricht. Die Clinton-Passage ist gelb unterlegt …

Aber jetzt zurück in die 1990er-Jahre …

DER SPIEGEL schrieb in seiner Ausgabe 43/1996 unter dem Titel Anwürfe aus Übersee: „Im Jargon der Scientologen ist das Papier ein ‚non existing paper‘, ein Schreiben, das es gar nicht gibt. Als Absender firmiert das zentrale Office of Special Affairs (OSA), der Geheimdienst des Psychokonzerns in Hollywood. Gerichtet ist der Brief an andere OSA-Büros – ‚vertraulich‘.

In Deutschland, so alarmiert das Schreiben vom 30. April, litten die Scientologen unter Angriffen, wie man sie nur von Nazis kenne. Die Bundesregierung in Bonn verfolge sie wie einst Adolf Hitler die Juden. An der Spitze der Kampagne stehe ‚DER SPIEGEL, ein Werkzeug der Propaganda, Diskriminierung und des Hasses in Deutschland‘.

Der Brief sei eine plumpe Fälschung, behauptete ein Scientology-Sprecher noch vor zwei Wochen. Doch Tage später geschah genau das, was in den drei Seiten als Konteroffensive gegen die ‚schwarze PR‘ von SPIEGEL und Bundesregierung angekündigt wurde: In einer ganzseitigen Anzeige in der New York Times wurde am Donnerstag vergangener Woche die angebliche ‚Diskriminierung‘ des Psychokonzerns mit der Judenverfolgung der Nazis gleichgesetzt wie schon zwei Jahre zuvor (SPIEGEL 39/1995).

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Parallel dazu tauchte ein offener Brief an Bundeskanzler Helmut Kohl auf, der als Anzeige in deutschen Zeitungen erscheinen sollte. Darin beschweren sich Filmgrößen über die ‚böswillige Diskriminierung von Scientologen‘ in Deutschland: ‚Wir beschwören Sie, dieser beschämenden, organisierten Verfolgung ein Ende zu setzen.‘ Als Unterzeichner angegeben sind unter anderen die Stars Dustin Hoffman und Goldie Hawn, die Regisseure Oliver Stone und Constantin Costa-Gavras sowie die Schriftsteller Mario Puzo und Gore Vidal.

Initiator des Schriebs ist der Hollywood-Anwalt Bertram Fields, der einige Stars juristisch vertritt und schon den Scientologen Tom Cruise gegen Angriffe von Sektengegnern verteidigt hat.

In Bonn zeigte der jüngste Protest der Sekte Ende voriger Woche rasche Wirkung. Jugendministerin Claudia Nolte (CDU) und ein Sprecher des Auswärtigen Amtes verwahrten sich gegen die Anwürfe aus Übersee. Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, protestierte zudem gegen die ‚Verunglimpfung‘ der Nazi-Opfer. …

Erstaunt waren die Bonner immerhin, mit welchen Namen Protestnoten für den Sektenkonzern inzwischen geschmückt sind. Dustin Hoffman oder Goldie Hawn, die selbst nicht als Scientologen bekannt sind, haben im Kintopp-Land USA großen Einfluss – auch wenn ‚die wahrscheinlich kaum wissen, was sie da unterschreiben‘, so ein Ministerialer. Immerhin: Unterzeichner Gore Vidal steht zu seiner Unterschrift, weil einzelne Scientologen in Ruhe gelassen werden sollten. Die Sekte hält er gleichwohl für ‚lächerlich und gefährlich‘. …

Ein anderes Ziel der Sekte, steuersparend als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden, rückt gleichwohl kaum näher. Mitte dieser Woche wollen die Ministerpräsidenten der Länder über ein vereinsrechtliches Verbot der Organisation verhandeln sowie über die Beobachtung durch den Verfassungsschutz.“

Anzumerken bleibt, dass Constantin Costa-Gavras seine Unterschrift zurückzog, nachdem er erfahren hatte, wer hinter dieser Initiative stand – hier der Brief …

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Das Konzept dieser Strategie von Scientology stammt aus den 70er-Jahren, hieß Snow White, wurde von L. Ron Hubbard festgelegt und von dessen Geheimdienst, der damals noch Guardian Office hieß, umgesetzt. Zu Deutschland hieß in diesem Strategiepapier bzw. dem Project Coal, dass „man [in Deutschland] sehr sensibel auf alles reagiert, was den Genozid und die Nazizeit betrifft“. …

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Dementsprechend wurde nicht nur der Offene Brief an Helmut Kohl initiiert, sondern in dessen Vorfeld (1993) u.a. folgende Broschüre von Scientology …

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1996 wurde eine Ausgabe der Scientology-Zeitschrift FREIHEIT in diesem Zusammenhang flächendeckend verteilt …

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In Deutschland stellte die Ständige Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder (IMK) mit Beschluss vom 6. Juni 1997 fest, „dass bei der Scientology-Organisation tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung vorliegen und damit die gesetzlichen Voraussetzungen für die Beobachtung dieser Organisation durch die Verfassungsschutzbehörden gegeben sind.“

Scientology wird seitdem vom Verfassungsschutz beobachtet.

Um die Jahrtausendwende wurde es weniger spektakulär, dafür arbeitete man hinter den Kulissen. Zwei Personen rückten dabei in den Mittelpunkt: Madeleine Albright und Tom Cruise.

2001 monierte die US-Außenministrin Albright u.a., dass Frankreich, Österreich und Belgien staatliche Sektenstellen unterhielten und forderte deren Schließung: „Amerika war immer aktiv und wird weiterhin darin aktiv sein, die Regierungen Frankreichs und anderer europäischer Staaten zu drängen, für die Respektierung der Religionsfreiheit einzutreten. Religionsfreiheit ist das Wahrzeichen einer demokratischen Gesellschaft; sie sollte als eine Quelle gesellschaftlicher Stärke und Stabilität gesehen werden. Bitte seien Sie versichert, dass das US State Department diese Frage weiterhin mit Nachdruck verfolgen wird.“

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Tom Cruise mit dem späteren Präsidenten in Frankreich, Nicolas Sarkozy …

Der Umtriebige der beiden war Tom Cruise, der gezielt seine Popularität einsetzte, um Politiker zu treffen und für Scientology zu lobbyieren. Einen Eindruck davon bekommt man, wenn man sich den Brief ansieht, den er dem stellvertretenden US-Außenminister schrieb …

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Übersetzung: „Sehr geehrter Mr. Armitage, zunächst möchte ich Ihnen für den jährlichen Bericht des Außenministeriums über Menschenrechte und Religionsfreiheit danken, der unentbehrlich ist, um auf die Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen. Wie mir Helen Davis von Ihrem Büro mitteilte, lassen sich unsere Zeitpläne während meines Aufenthalts in Washington Mitte Juni leider nicht miteinander vereinbaren. Angesichts der Weltlage und besonders, da der Präsident und Außenminister Powell sich im Ausland befinden, sind mir die außerordentlichen Schwierigkeiten bewusst, die für Ihre Zeit und Termine bestehen.

Wie Sie vielleicht wissen, befasse ich mich seit einiger Zeit mit Menschenrechten und der Religionsfreiheit in Europa. Angehörige meiner Kirche, darunter amerikanische Künstler, werden weiterhin diskriminiert, besonders in Deutschland, Frankreich und Belgien. Ich habe es auf mich genommen, mich über diese Dinge zu informieren und mich im Hinblick auf die Geschehnisse auf dem Laufenden zu halten. Daher begrüße ich Ihre Empfehlung für ein Zusammentreffen mit Botschafter Handford sehr und ich bin mir auch sicher, dass ein Gespräch mit ihm hilfreich sein würde. Offen gesagt, bin ich aber in erster Linie an einem Gespräch mit Ihnen interessiert.

Ihre Tätigkeit in der Vergangenheit und Ihre Aufgaben als Stellvertretender Außenminister sind mir bekannt und ich bin sicher, dass ich Ihnen ohne großen Zeitaufwand mitteilen kann, was ich auf dem Herzen habe.

Ich meine, dass wir etwas erreichen könnten, wenn wir in dieser Sache zusammen arbeiteten.

Sie müssen von Ihren Botschaftern erfahren haben, dass ich den US-Botschaften in Deutschland, Frankreich und Spa­nien im letzten Jahr eine Reihe von Besuchen abgestattet und mit jedem Botschafter über die Probleme der religi­ösen Intoleranz in diesen Ländern gesprochen habe. Für die Unterstützung, die ich durch den Botschafter Argyros sagen zu können, dass die mit ihm erörterte Situation inzwiin Madrid erhielt, bin ich sehr dankbar und ich freue mich ­schen vollständig geklärt wurde. Botschafter Coats und seine Mitarbeiter haben mich ebenfalls wieder sehr unterstützt, und ich bin den Bemühungen des US-Botschaftspersonals in Paris dankbar.

Die Situation in diesen Ländern beobachte ich in der Tat ge­nau und im Lauf des letzten Monats habe ich von Versuchen erfahren, die Auftritte zweier amerikanischer Künstler allein deshalb zu sabotieren, weil sie Angehörige der Church of Scientology sind. Gerne würde ich Ihnen über diese Situation im Einzelnen berichten – Vorfälle wie in Deutschland und Frankreich werden seit einem Jahrzehnt in den Berichten des Außenministeriums über die Menschenrechte aufgezeichnet.

Scientology ist in den Vereinigten Staaten als gänzlich Steuer ­befreite, offizielle Religion anerkannt. Doch diese Aktionen deutscher Behördenmitarbeiter sind leider repräsentativ für die Intoleranz, der sich Angehörige meiner Religion und anderer Minderheitsreligionen in Deutschland gegenüber sehen. Religionsfreiheit ist für mich – wie für jeden wahren Amerikaner – sehr wichtig. …

Schließlich muss ich im Januar nach Europa reisen, um für meinen nächsten Film zu werben, und ich beabsichtige, erneut mit unseren Botschaftern in Frankreich, Deutschland und eventuell Belgien zusammenzutreffen.

Ich will mit ihnen gemeinsam Druck auf diese Nationen aus­üben, damit diese Angelegenheiten durch einen intensiven Dialog und verstärktes Handeln gelöst werden.

Allerdings ist diese Situation – trotz der Umstände meiner Europabesuche – für mich keinesfalls eine Publicity-Aktion. Es ist eine Angelegenheit, die wichtig ist und mich auch persönlich betrifft. Deshalb bemühe ich mich um die Unter­stützung meiner Regierung in der Hoffnung, eine Lösung für eine Lage zu finden, die zu einer betrüblichen und unnötigen Menschenrechtssituation geworden ist. …

Hochachtungsvoll, Tom Cruise.“

Cruise bekam dementsprechend im Jahr 2004 die Medal of Valor verliehen, ein Tapferkeitsmedaille von Scientology.

2007 gelang Scientology dann der finale Coup in Deutschland mit der Eröffnung ihrer Hauptstadtzentrale – der Berliner Innensenator soll erst aus der Zeitung davon erfahren haben. Dabei hätte er nur den US-Botschafter fragen müssen – der war zur Eröffnung eingeladen und schickte seinen Sekretär mit einer Grußbotschaft.

Ob dies alles ohne jene verhängnisvolle Entscheidung des Internal Revenue Sevice nicht abgelaufen wäre?

Ich würde sagen: Nein!

Tom Cruise hätte dann vielleicht drei Kinder mit seiner zweiten Ehefrau Nicole Kidman und würde Scientology nur als Kurzepisode mit seiner ersten Gattin sehen, der IRS würde Scientology weiter Steuern vorschreiben, Interpol würde ermitteln, wenn es etwas zu ermitteln gäbe, Bill Clinton wäre nur an Praktikantinnen interessiert gewesen und das Gefasel, das Scientology eine Religion bzw. Glaube sei, wäre mir erspart worden. Tut echt weh in den Ohren – und im Gehirn.